Eine mit Kleister verklebte Fototapete aus Vlies können Sie in der Regel trocken und in ganzen Bahnen von der Wand ziehen. Einweichen oder Dampf brauchen Sie dafür meist nicht. Voraussetzung ist ein tragfähiger Untergrund. Diese Anleitung zeigt, mit welchem Werkzeug und in welchem Winkel Sie ziehen und was Sie tun, wenn sich die Tapete nicht lösen will.
Erst prüfen: Vlies oder Papier?
Unsere Fototapeten bestehen ausschließlich aus Vlies. Papier oder selbstklebende Varianten haben wir nicht im Sortiment. Vielleicht wollen Sie aber eine ältere Tapete entfernen, deren Herkunft Sie nicht kennen. Dann lohnt sich vorher ein kurzer Check, denn Papier verlangt eine ganz andere Technik.
So erkennen Sie das Material:
- Ecke anheben und ziehen: Löst sich die Bahn in einem Stück und bleibt die Wand dahinter weitgehend sauber, ist es fast immer Vlies. Reißt sie nach wenigen Zentimetern ab oder kommt nur die bedruckte Oberschicht mit, haben Sie Papier oder eine zweilagige Tapete vor sich.
- Rissprobe an einem abgelösten Stück: Vlies lässt sich schwerer zerreißen. Der Rissrand wirkt faserig, ähnlich wie bei Filz oder dickem Küchenpapier. Papier reißt leicht und mit glatter Kante.
- Rückseite ansehen: Vlies ist hinten matt und leicht flauschig. Papier ist dort glatter und dünner.
- Wassertest: Tupfen Sie ein abgelöstes Stück mit einem nassen Schwamm ab. Papier wird dunkel, weich und wellt sich. Vlies bleibt formstabil.
- Kleine Holzspäne in der Oberfläche: Dann handelt es sich um Raufaser, also eine Papiertapete. Sie muss eingeweicht werden.
Bei Papier ritzen Renovierer die Oberfläche mit einer Stachelwalze an, weichen gründlich ein und schaben die Bahnen dann ab. Bei Vlies ist das unnötig und kann sogar schaden, vor allem auf Gipskarton. Eine selbstklebende Folie lösen Sie am besten, indem Sie sie mit dem Föhn langsam anwärmen und dabei abziehen.
Werkzeug
- Abdeckfolie oder alte Decken für den Boden, Malerkrepp für Fußleisten, Fensterbänke und Steckdosen
- breiter Spachtel (10 bis 15 cm), bei Gipskarton am besten mit abgerundeten Ecken
- Cuttermesser mit frischer Klinge
- Eimer mit warmem Wasser und Schwamm oder Mikrofasertuch
- stabile Leiter für den oberen Wandbereich
- reißfeste Müllsäcke
- bei hartnäckigen Stellen: Tapetenlöser aus dem Baumarkt oder ein geliehenes Dampfgerät
- zum Nacharbeiten: Spachtelmasse, Schleifpapier, Tiefengrund
Schritt für Schritt: Vliestapete abziehen
1. Raum vorbereiten
Schalten Sie die Sicherung für die betroffene Wand aus, bevor Sie Abdeckungen von Steckdosen und Schaltern abschrauben. Die offenen Dosen kleben Sie mit Malerkrepp ab. Möbel kommen in die Raummitte oder ganz hinaus, den Boden decken Sie bis an die Wand ab. Beim Abziehen rieseln Kleisterkrümel und Putzstaub herunter, und auf dem Teppich lassen sie sich nur mühsam entfernen.
2. Ansatzpunkt suchen
Am leichtesten geht es oben an einer Bahnkante oder in einer Ecke. Schieben Sie den Spachtel flach unter den Rand und heben Sie die Tapete an, bis Sie einen breiten Streifen greifen können. Wurde die Fototapete in mehreren Bahnen geklebt, beginnen Sie mit der Bahn, die Sie am besten erreichen. Die Nähte sind dabei Ihre natürlichen Ansatzstellen.
3. Flach abziehen
Ziehen Sie die Bahn nicht im rechten Winkel von der Wand weg, sondern führen Sie sie dicht an der Wand entlang schräg nach unten. Je flacher der Winkel, desto weniger Zug wirkt auf Putz und Farbe. Greifen Sie die Bahn möglichst breit und ziehen Sie gleichmäßig. Ruckartiges Ziehen lässt die Bahn einreißen oder holt Putz mit herunter.
Reißt die Bahn trotzdem, setzen Sie an der Rissstelle mit dem Spachtel neu an. Bei Vlies müssen Sie deswegen nicht von vorn beginnen.
4. Festsitzende Stellen anfeuchten
Hält die Tapete an einzelnen Stellen, befeuchten Sie die Stelle mit dem Schwamm und warten einige Minuten. Danach rutscht der Spachtel meist leichter darunter. Bei größeren Flächen hilft ein Dampfgerät. Halten Sie die Platte nur kurz an dieselbe Stelle, denn Gipskarton und Gipsputz vertragen viel Feuchtigkeit schlecht.
5. Kleisterfilm abwaschen
Nach dem Abziehen bleibt meist ein dünner Kleisterfilm auf der Wand. Waschen Sie ihn mit warmem Wasser ab und wechseln Sie das Wasser, sobald es trüb wird. Fertig sind Sie, wenn sich die Wand unter der Hand weder glitschig noch klebrig anfühlt. Bleiben Reste zurück, haften neue Tapete oder Farbe später schlechter.
6. Bahnen entsorgen
Rollen Sie die abgezogenen Bahnen mit der Motivseite nach außen locker zusammen oder falten Sie sie. So kleben die Kleisterreste nicht aneinander und passen besser in den Sack. Tapetenreste gehören in der Regel nicht ins Altpapier, weil Kleister, Druckfarbe und Kunststoffanteile das Recycling stören. Üblich ist die Entsorgung über den Restmüll. Fallen bei einer größeren Renovierung mehrere Säcke an, fragen Sie bei Ihrer Kommune oder dem örtlichen Wertstoffhof nach, wie dort mit Tapetenresten verfahren wird. Die Regeln unterscheiden sich von Ort zu Ort.
Wie lange es dauert: Faustregel aus der Praxis
Die folgenden Angaben sind Erfahrungswerte und keine festen Größen. Wie lange Sie tatsächlich brauchen, hängt vom Untergrund, vom Kleister und von Ihrer Übung ab.
- Vlies auf tragfähiger, grundierter Wand: Für eine Wand von etwa 3 × 2,5 Metern reichen fürs Abziehen oft ein bis zwei Stunden. Das Abwaschen des Kleisters kostet noch einmal etwas Zeit. Mit Vorbereitung ist das meist an einem Nachmittag erledigt.
- Papier, Raufaser oder mehrere Schichten übereinander: Rechnen Sie mit deutlich mehr Zeit, häufig mit einem ganzen Tag pro Wand.
- Trocknen: Lassen Sie die Wand vor dem Spachteln und Grundieren am besten über Nacht trocknen.
Wenn die Tapete nicht abgeht: Problem und Lösung
Probieren Sie Ihre Methode zuerst an einer unauffälligen Stelle aus, etwa hinter einem Schrank. Nach wenigen Minuten wissen Sie, mit welchem der folgenden Fälle Sie es zu tun haben.
Die Bahn reißt ständig ab. Meist ziehen Sie zu steil oder zu schnell. Ziehen Sie flacher und greifen Sie breiter. Reißt sie trotzdem in kurzen Stücken, ist es vermutlich doch Papier. Machen Sie dann den Materialcheck von oben.
Nur die bedruckte Oberschicht löst sich, die Rückseite bleibt an der Wand. Das ist typisch für zweilagige Tapeten oder Vinyl auf Papierträger. Ist die zurückbleibende Schicht fest und glatt, kann sie als Untergrund bleiben. Wellt sie sich oder löst sich an den Rändern, weichen Sie sie ein und schaben sie ab.
Die Tapete sitzt so fest, dass sich nichts bewegt. Häufig wurde direkt auf ungrundierten Putz oder mit zu viel Kleister geklebt. Schneiden Sie die Tapete mit dem Cuttermesser in handliche Streifen und lösen Sie diese einzeln, unterstützt durch Wasser, Tapetenlöser oder Dampf. Auf Gipskarton schneiden Sie dabei nur so tief, dass die Platte selbst nicht verletzt wird.
Farbe oder Putz kommen mit. Der Untergrund ist nicht tragfähig. Ziehen Sie flacher, lösen Sie kritische Bereiche lieber mit dem Spachtel und markieren Sie die beschädigten Stellen. Kleinere Ausbrüche können Sie selbst spachteln. Werden die Schäden größer als eine Handfläche, besonders im Altbau, lassen Sie sich von einem Fachbetrieb beraten.
Auf Gipskarton löst sich die Kartonschicht der Platte. Hören Sie an dieser Stelle sofort auf zu ziehen und verzichten Sie auf Dampf. Lösen Sie die Tapete dort vorsichtig mit dem Spachtel. Aufgeraute Stellen festigen Sie nach dem Trocknen mit Tiefengrund und spachteln sie anschließend glatt.
Die Wand bleibt nach dem Abwaschen glitschig. Es ist noch Kleister darauf. Waschen Sie mit frischem, warmem Wasser nach, bis die Oberfläche stumpf ist.
Unter der Tapete zeigen sich dunkle Flecken oder Schimmel. Klären Sie zuerst die Ursache, etwa Feuchtigkeit von außen, eine Wärmebrücke oder zu wenig Lüftung. Erst danach sollte neu tapeziert werden.
Die Wand für die nächste Tapete vorbereiten
Ist die Wand trocken, leuchten Sie sie mit einer Taschenlampe von der Seite ab. Bei Streiflicht sehen Sie Dübellöcher, feine Risse und Ausbrüche, die Ihnen bei Deckenlicht entgehen. Füllen Sie diese Stellen mit Spachtelmasse, schleifen Sie nach dem Trocknen glatt und tragen Sie zum Schluss Tiefengrund auf. Er bindet Staub, und die Wand nimmt den neuen Kleister gleichmäßig auf.
Bei einer Fototapete lohnt sich dieser Aufwand besonders, weil ein großflächiges Motiv jede Unebenheit sichtbar macht. Die glatte Oberfläche Classic verzeiht am wenigsten. Strukturierte Oberflächen wie Linen, Artplaster, Canvas oder Sand kaschieren kleine Unebenheiten etwas besser. Für eine weite Landschaft oder ein 3D-Motiv sollte die Wand trotzdem sauber gespachtelt sein.
Erst bestellen, dann abziehen
Ein Tipp aus der Renovierungspraxis: Reißen Sie die alte Tapete erst herunter, wenn der Nachfolger feststeht und absehbar geliefert wird. Unsere Fototapeten werden einzeln für Ihre Wand gefertigt. Die Produktion dauert 7 bis 10 Werktage und beginnt, sobald Ihre Zahlung eingegangen ist und Sie den Druck freigegeben haben. Danach ist die Tapete noch beim Versanddienstleister unterwegs. Wann Sie Ihre Tapete ungefähr erwarten können und welche Zahlungsarten es gibt, lesen Sie unter Versand und Zahlung.
Die frisch freigelegte Wand eignet sich übrigens gut zum Ausmessen, weil Sie Nischen, Schrägen und Steckdosen jetzt genau sehen. Breite und Höhe wählen Sie bei uns jeweils frei zwischen 80 und 600 cm. Der Quadratmeter kostet 34,99 EUR einschließlich 19 % Umsatzsteuer, und innerhalb Europas liefern wir ohne Versandkosten.
Messen Sie sorgfältig, bevor Sie die Druckfreigabe erteilen. Weil jede Tapete eine Maßanfertigung ist, besteht nach § 312g Abs. 2 Nr. 1 BGB kein gesetzliches Widerrufsrecht. Ihre gesetzlichen Mängelrechte gelten trotzdem: Kommt die Tapete beschädigt an, hat sie einen Produktionsfehler oder entspricht sie nicht Ihrem Auftrag, schicken Sie uns Fotos und Ihre Bestellnummer.
Ideen für die frei gewordene Wand
Wenn das neue Motiv noch nicht feststeht, finden Sie in unserem gesamten Fototapeten-Sortiment und auf der Seite mit Einrichtungsideen Anregungen. Nach Räumen sortiert:
- Im Wohnzimmer wirken großflächige, ruhige Motive. Eine Auswahl finden Sie bei den Motiven fürs Wohnzimmer, zum Beispiel einen Bergsee im Licht der untergehenden Sonne.
- Für das Schlafzimmer eignen sich eher kontrastarme Bilder, etwa aus den Schlafzimmer-Motiven.
- Ist Ihr Kind aus der Dino-Phase herausgewachsen, kommt die alte Tapete mit dieser Anleitung herunter. Ein altersgerechtes neues Motiv finden Sie unter den Tapeten fürs Kinderzimmer.
Wie fertig tapezierte Wände bei unseren Kunden aussehen, zeigen wir unter Unsere Arbeiten.
