Ratgeber

Fototapete anbringen: So kleben Sie Vliestapete Schritt für Schritt

Bei einer Vlies-Fototapete kommt der Kleister auf die Wand, nicht auf die Tapete. Sie legen die trockene Bahn in das Kleisterbett und streichen sie von der Mitte nach außen an. Das bekommen auch Heimwerker ohne Tapeziererfahrung hin. Über Erfolg oder Ärger entscheiden zwei Dinge: der Untergrund und die erste Bahn. Wenn beide stimmen, ist der Rest Routine.

Zum Zeitaufwand ein grober Erfahrungswert aus der Praxis: Für eine normale Wohnzimmerwand sollten Sie beim ersten Mal etwa einen halben Tag einplanen. Die Wandvorbereitung ist darin nicht enthalten. Das eigentliche Kleben geht meist schneller als erwartet. Die meiste Zeit kosten das Ausrichten der ersten Bahn und die Schnitte an Ecken und Steckdosen. Zu zweit arbeiten Sie spürbar zügiger, vor allem bei raumhohen Bahnen.

Bevor Sie anfangen: Lieferung prüfen und Werkzeug bereitlegen

Packen Sie die Lieferung aus, bevor Sie Kleister anrühren. Rollen Sie die Bahnen kurz auf, vergleichen Sie Motiv und Maße mit Ihrer Bestellung und achten Sie auf Knicke oder Druckstellen vom Transport. Solche Fehler fallen am Boden auf, an der Wand ist es zu spät. Wenn etwas nicht stimmt, senden Sie uns Fotos zusammen mit Ihrer Bestellnummer. Wie das genau abläuft, lesen Sie in unseren Hinweisen zu Widerruf und Mängelrechten.

Diese Ausrüstung brauchen Sie. Vieles davon haben Sie wahrscheinlich schon im Keller:

  • Kleister speziell für Vliestapeten. Normaler Papierkleister ist dafür nicht geeignet.
  • Farbroller oder breite Bürste (Quast) und einen Eimer für den Kleister
  • Wasserwaage oder Lot, Bleistift und Zollstock
  • Cuttermesser mit Abbrechklingen und dazu ein Metalllineal oder einen breiten Spachtel als Schneidkante
  • Andrückrolle oder Tapezierbürste, einen weichen Schwamm und ein paar saubere Lappen
  • Leiter. Bei Wandhöhen bis 600 cm sollte es eine stabile Steh- oder Podestleiter sein, keine wackelige Haushaltsleiter.

Ein Tipp vom Praktiker: Brechen Sie die Klinge lieber zu früh als zu spät ab, am besten nach jeder Bahn. Mit einer stumpfen Klinge franst die Schnittkante aus. Das sieht man genau dort, wo das Auge hinschaut, nämlich an der Decke und an der Fußleiste.

Warum Sie Kleister brauchen und wohin er gehört

Unsere Fototapeten bestehen ausschließlich aus Vlies mit 200 bis 240 g/m². Selbstklebende Varianten und Papiertapeten führen wir nicht. Sie tapezieren also mit Kleister, und bei Vlies wird die Wand eingekleistert. Der Vorteil gegenüber Papiertapete: Sie müssen die Bahnen nicht einweichen und keine Weichzeit abwarten. Vlies verzieht sich beim Kleben praktisch nicht, deshalb passen die Motivübergänge auch nach dem Trocknen noch.

Schritt 1: Die Wand vorbereiten

Die meisten Reklamationen, die man als Tapezierer zu hören bekommt, haben ihre Ursache im Untergrund und nicht in der Tapete.

Prüfen Sie die Wand mit zwei einfachen Tests. Kleben Sie ein Stück Malerkrepp auf und reißen Sie es ruckartig ab. Bleibt Farbe daran hängen, ist der Untergrund nicht tragfähig und muss abgeschliffen oder abgekratzt werden. Wischen Sie außerdem mit der flachen Hand über die Wand. Wenn Ihre Hand weiß ist, kreidet die Farbe und braucht eine Grundierung. Entfernen Sie alte Tapetenreste und lose Farbschichten vollständig. Spachteln Sie Dübellöcher und Risse zu und schleifen Sie die Stellen glatt. Frischer Putz und Gipskarton saugen stark und bekommen deshalb eine Tiefengrundierung. Danach wird erst tapeziert, wenn die Grundierung vollständig durchgetrocknet ist. Die Wartezeit steht auf dem Gebinde.

Ein Fehler, den viele Anfänger machen: Sie tapezieren ein helles Motiv auf eine dunkle oder fleckige Wand. Der Untergrund scheint dann durch. Ein Anstrich in hellem Weiß vorab erspart Ihnen diesen Ärger. Auch mit der Wahl der Oberfläche können Sie etwas ausgleichen. Die strukturierten Varianten Linen, Artplaster, Canvas und Sand kaschieren kleine Unebenheiten. Die glatte Oberfläche Classic zeigt dagegen jede Delle, besonders wenn seitlich Licht durchs Fenster fällt.

Zum Schluss schalten Sie die Sicherung für die Steckdosen und Schalter an dieser Wand aus und schrauben die Abdeckungen ab.

Schritt 2: Die Startlinie anzeichnen

Die Raumecke ist kein Maßstab. Gerade in Altbauten steht kaum eine Ecke im Lot, und Decken verlaufen oft schief. Messen Sie deshalb die Breite der ersten Bahn von Ihrem Startpunkt aus ab und ziehen Sie mit Lot oder Wasserwaage eine senkrechte Bleistiftlinie über die ganze Wandhöhe. An dieser Linie richten Sie die erste Bahn aus.

Beginnen Sie bei einem durchgehenden Motiv auf der Seite, auf die der Blick beim Betreten des Raums zuerst fällt. Kleine Abweichungen landen dann in der Ecke, wo sie niemand bemerkt.

Legen Sie vorher alle Bahnen in der richtigen Reihenfolge auf dem Boden aus und kontrollieren Sie, ob die Übergänge zusammenpassen. Diese fünf Minuten zahlen sich vor allem bei Sondermaßen aus.

Schritt 3: Kleister auf die Wand rollen

Rühren Sie den Kleister so an, wie es auf der Packung steht, und lassen Sie ihn die angegebene Zeit quellen. Rollen Sie ihn dann gleichmäßig auf die Wand, jeweils etwa eine Bahnbreite plus ein paar Zentimeter zu beiden Seiten. Arbeiten Sie von oben nach unten. Als Faustregel gilt: Die Wand soll satt glänzen, aber nichts darf herunterlaufen.

Ein typischer Anfängerfehler ist es, gleich die ganze Wand einzukleistern. Bis zur dritten Bahn ist der Kleister dann angetrocknet und hält nicht mehr richtig. Kleistern Sie immer nur die Fläche für die nächste Bahn ein.

Schritt 4: Die erste Bahn setzen

Setzen Sie die Bahn oben an und lassen Sie zwei bis drei Zentimeter an der Decke überstehen. Legen Sie die Kante genau an Ihre Bleistiftlinie. Streichen Sie die Bahn danach mit Bürste oder Andrückrolle glatt, und zwar von der Mitte zu den Rändern und von oben nach unten. So schieben Sie die Luft zum Rand hinaus, statt Blasen in der Fläche einzuschließen.

Wenn die Bahn schief sitzt, ziehen Sie sie sofort wieder ab und setzen sie neu an. Solange der Kleister nass ist, macht Vlies das problemlos mit. Versuchen Sie nicht, die Bahn auf der Wand zurechtzuschieben. Dabei verziehen Sie sie nur.

Schritt 5: Die weiteren Bahnen anlegen

Kleistern Sie die nächste Fläche ein und setzen Sie die zweite Bahn genau an die Kante der ersten, Stoß an Stoß und ohne Überlappung. Rollen Sie die Naht nur mit leichtem Druck an. Wer hier fest drückt, presst Kleister aus der Fuge. Kontrollieren Sie bei jeder Bahn, ob das Motiv an der Naht sauber weiterläuft, bevor Sie die nächste setzen.

Kleisterspuren auf dem Motiv tupfen Sie sofort mit einem feuchten, gut ausgewrungenen Schwamm ab. Reiben Sie dabei nicht, das gilt besonders für die strukturierten Oberflächen.

Schritt 6: Überstände, Ecken und Steckdosen

Schneiden Sie die Überstände an Decke und Fußleiste erst ab, wenn die jeweilige Bahn gut angedrückt ist. Wenn Sie unsicher sind, warten Sie, bis alle Bahnen hängen. Drücken Sie Spachtel oder Lineal fest in die Kante und ziehen Sie das Messer in einem durchgehenden Schnitt daran entlang. Setzen Sie dabei nicht ab, denn jeder Neuansatz hinterlässt eine kleine Stufe.

An Steckdosen und Schaltern schneiden Sie ein Kreuz in die Tapete, klappen die vier Zipfel nach außen und schneiden sie entlang der Dosenkante ab. Die Abdeckungen schrauben Sie erst wieder an, wenn alles trocken ist.

Drücken Sie die Bahn in Innenecken in den Knick und schneiden Sie sie dort bündig ab. Soll ein Motiv ohne Naht um die Ecke laufen, gelingt das nur, wenn die Ecke wirklich gerade ist. Prüfen Sie das mit der Wasserwaage. Ist die Ecke schief, trennen Sie die Bahn lieber in der Ecke und setzen auf der neuen Wand mit einer frisch geloteten Linie an.

Schritt 7: In Ruhe trocknen lassen

Lassen Sie die Tapete nach dem Kleben in Ruhe. Lüften Sie nicht quer, drehen Sie die Heizung nicht hoch und trocknen Sie nichts mit dem Föhn. Wenn eine Bahn ungleichmäßig trocknet, können sich die Nähte öffnen. Nach einigen Stunden gehen Sie die Kanten noch einmal ab und drücken lose Stellen mit etwas Kleister an. Als Erfahrungswert gilt, dass Vliestapete bei normaler Zimmertemperatur meist bis zum nächsten Tag durchgetrocknet ist. Verbindlich ist aber immer die Angabe auf Ihrem Kleister.

Die häufigsten Anfängerfehler

  • Erste Bahn nach Augenmaß gesetzt: Ein halber Zentimeter Schräge oben wird bis zur letzten Bahn zu einer sichtbaren Treppe im Motiv.
  • Papierkleister verwendet: Vlies hält damit schlecht und wirft Wellen.
  • Ränder zu dünn eingekleistert: Nach dem Trocknen stehen die Kanten ab.
  • Zu viel Druck auf der Naht: Herausgepresster Kleister hinterlässt Flecken auf dem Motiv.
  • Ungenau gemessen: Eine Fototapete wird nach Ihren Maßen gedruckt. Für Maßanfertigungen gibt es nach § 312g Abs. 2 Nr. 1 BGB kein gesetzliches Widerrufsrecht. Messen Sie Breite und Höhe der Wand deshalb an mehreren Stellen und zweimal, bevor Sie die Maße zwischen 80 und 600 cm eingeben.

Welches Motiv passt an welche Wand?

Großformatige Motive brauchen eine Wand, die möglichst wenig von Türen, Fenstern oder Regalen unterbrochen wird. Im Wohnbereich bieten sich meist die Wand hinter dem Sofa oder dem Esstisch an. Wer es zurückhaltender mag, findet bei den Struktur- und Materialmotiven passende Vorlagen, zum Beispiel einen Marmor mit Goldadern oder eine Wand in rauer Betonoptik. Landschaften wie ein See in den Bergen im Abendlicht lassen den Raum optisch weiter wirken. In kleinen Zimmern lohnt sich ein Blick auf Motive mit Tiefenwirkung.

Anregungen aus echten Räumen finden Sie in unserer Galerie mit Wohnideen und unter umgesetzten Projekten. Das komplette Sortiment sehen Sie in der Motivübersicht.

Checkliste: Vor dem Bestellen

  • [ ] Wand ausgemessen: Breite und Höhe frei wählbar von 80 bis 600 cm. Bei größeren Flächen oder Sondermaterial fragen Sie ein individuelles Angebot an.
  • [ ] Oberfläche gewählt: Vlies in Classic (glatt), Linen, Artplaster, Canvas oder Sand
  • [ ] Preis berechnet: 34,99 EUR pro m² inklusive 19 % USt. Zum Beispiel kosten 5,72 m² genau 200,14 EUR.
  • [ ] Zeitplan geprüft: Die Produktion dauert 7 bis 10 Werktage ab Zahlungseingang und Ihrer Druckfreigabe. Hinzu kommt die Laufzeit des Versanddienstleisters.
  • [ ] Versand: innerhalb Europas kostenlos
  • [ ] Zahlart: Kreditkarte, PayPal oder Banküberweisung

Alle Einzelheiten finden Sie unter Versand und Bezahlung.

Häufige Fragen

Gehört der Kleister auf die Wand oder auf die Tapetenbahn?

Auf die Wand. Die Vliesbahn wird trocken in das Kleisterbett gelegt. Das geht schneller als das Einkleistern der Bahn, und das Material dehnt sich nicht.

Gibt es Ihre Fototapeten auch selbstklebend?

Nein. Wir drucken ausschließlich auf Vlies, das mit Wandkleister angebracht wird. Selbstklebende Tapeten und Papiertapeten führen wir nicht.

Schaffe ich das allein oder brauche ich Hilfe?

Kurze Bahnen auf Wänden bis etwa Schulterhöhe können Sie gut allein kleben. Bei raumhohen Bahnen und großen Wänden sollte eine zweite Person die Bahn oben halten, während Sie unten ausrichten und andrücken. Das spart Zeit und Nerven.

Beim Auspacken ist mir ein Schaden aufgefallen. Was nun?

Kleben Sie die betroffene Bahn nicht an. Fotografieren Sie den Schaden, halten Sie Ihre Bestellnummer bereit und melden Sie sich bei uns. Bei Transportschäden, Produktionsfehlern oder einer Lieferung, die nicht Ihrem Auftrag entspricht, gelten Ihre gesetzlichen Mängelrechte uneingeschränkt.

Erfüllen die Tapeten Brandschutz- und Qualitätsanforderungen?

Ja, wir produzieren nach europäischen Normen für Qualität und Brandschutz. Die Einzelheiten finden Sie bei unseren Zertifikaten und Prüfnachweisen.